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Illustration Interview
Interview Familienfreundlichkeit Arbeitsbedingungen

„Familienfreundlichkeit in Unternehmen macht zufrieden und leistungsfähig“

Ist die Familie versorgt, können Beschäftigte sich auf ihren Job konzentrieren. Welche Vorteile familienfreundliche Unternehmenskultur noch hat, berichtet Claudia Cyriacks-Schmitt aus der Praxis.

Familienfreundlichkeit heißt für Claudia Cyriacks-Schmitt, dass die 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ise (Individuelle Software und Elektronik GmbH) sich nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, wie sie den Spagat zwischen Familie, Privatleben und Beruf schaffen. Für das große Ziel Mitarbeiterzufriedenheit investiert das Oldenburger Unternehmen viel, denn das lohnt sich, sagt die Prokuristin: mit einer engagierten und leistungsfähigen Belegschaft.

Helfen Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Ihnen bei der Suche nach Personal aus Gruppen, die im Unternehmen noch wenig vertreten sind?

Claudia Cyriacks-Schmitt
Claudia Cyriacks-Schmitt

Claudia Cyriacks-Schmitt: In der Tat ist es für viele Bewerber mit ein Entscheidungskriterium, wenn sie sehen, dass wir beim Thema Familienfreundlichkeit eine Menge zu bieten haben. Als ich 2000 anfing, arbeiteten hier überwiegend Männer, die meisten davon Singles. Heute haben wir deutlich mehr Mitarbeiter und auch Mitarbeiterinnen –mittlerweile haben wir immerhin einen Frauenanteil von 17 Prozent. Viele Kolleginnen und Kollegen sind inzwischen Eltern. Darunter sind auch immer mehr Väter, die die Elternzeit nutzen. Unsere Angebote haben wir im Laufe der Zeit nach den Bedarfen eingeführt – was uns dann interessanter für weitere Bewerbergruppen gemacht und wiederum zur Weiterentwicklung unserer Angebote geführt hat. Denn es gehört zu unserer Unternehmenskultur, dass die Kolleginnen und Kollegen zufrieden sein sollen. Und zufriedener ist, wer bei dem Spagat zwischen Beruf und Familie von seinem Arbeitgeber Unterstützung erfährt. Um zu schauen, wie die Bedarfe aktuell sind, stehen wir im ständigen Austausch: Über regelmäßige Feedbackgespräche zum Beispiel und eine Geschäftsleitung, die für die Anliegen der Beschäftigten immer offen ist. Ich weiß durch die

„Wenn die Familie versorgt ist, ist der Kopf frei. Das hat Auswirkungen auf die Produktivität.“

Teilnahme in einem Arbeitskreis für Familienfreundlichkeit in Unternehmen – initiiert durch die Stadt Oldenburg – was andere Unternehmen so machen. So passen wir unser Angebot fortlaufend an: von der professionellen Beratung durch die AWO für Kolleginnen und Kollegen in besonderen Lebenslagen über flexible Arbeitszeiten, Mobiles Arbeiten , Kinderbetreuungszuschüsse sowie bis zu fünf bezahlten Kind-krank-Tagen oder drei Pflege-akut-Tagen je Mitarbeiter oder Familie und Jahr. Das alles hilft uns nicht nur bei der Gewinnung neuer Fachkräfte, sondern auch bei der Mitarbeiterbindung. Wer jetzt gerade in der Familienphase ist, weiß die Angebote zu schätzen und zu nutzen.

Claudia Cyriacks-Schmitt

Claudia Cyriacks-Schmitt

Ise

Claudia Cyriacks-Schmitt ist Prokuristin bei der Individuellen Software und Elektronik GmbH (ise) in Oldenburg. Sie ist nach der Fachhochschule als Programmiererin bei der ise eingestiegen und hat die Einführung familienfreundlicher Angebote bei der ise vom Startup bis zum etablierten Anbieter für Gebäudeautomatisierung eng begleitet und mitentwickelt.

Welche Rolle spielt Familienfreundlichkeit bei personalpolitischen Faktoren wie Mitarbeiterbindung, Arbeitszufriedenheit oder Übernahme von Verantwortung?

Cyriacks-Schmitt: Wenn die Kollegen loslassen können, weil die Familie versorgt ist und sie wissen, dass wir in Notfällen gemeinsam auch mal eine individuelle Lösung finden, ist der Kopf frei. Und das hat natürlich Auswirkungen auf Arbeitsleistung und Produktivität. Wir haben genügend, die sich über die normale Arbeit hinaus engagieren und auch Verantwortung zeigen. Die haben das meistens auch vorher, ohne Familie, schon gemacht. Aber wir spüren schon, dass viele nochmal mehr motiviert sind, wenn sie Entgegenkommen und Unterstützung bei ihren privaten Anliegen bekommen.

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie als Unternehmen mit den familienfreundlichen Angeboten?

Cyriacks-Schmitt: Das große, übergeordnete Ziel ist wirklich Spaß an der Arbeit und Zufriedenheit. Wenn wir sehen, dass viele Kollegen in der Familienphase sind, gehört es für uns dazu, einen guten Rahmen für die Vereinbarkeit zu schaffen. Aber es ist natürlich genauso wichtig, auch Anreize für alle anderen außerhalb von Familie zu haben: Wir bieten Gesundheits- und Fitnessangebote, einen Musik- bzw. Bandraum, ein Spielezimmer mit Billiard-, Kickertisch, Darts, um nur einiges zu nennen, kostenlose Parkplätze, Dienstrad/E-Bike. Das ist nur eine Auswahl dessen, was alles für uns auf das große Ziel Mitarbeiterzufriedenheit einzahlt. Wir haben zwar bislang weniger Fachkräfteprobleme, doch das kann sich ändern. Und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, ist auch für das Know-how im Unternehmen wichtig. Als Arbeitgeber attraktiv zu sein und zu bleiben ist damit ebenso ein großes Ziel. Mit dem Arbeitskreis für Familienfreundlichkeit wollen wir gerade auch diese Erfahrung weitergeben: Eine familienfreundliche Personalpolitik ist für beide Seiten lohnenswert und wichtig.

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