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Listicle Home-Office Arbeitsbedingungen

Richtig oder falsch?: 8 Vorurteile rund ums Home-Office

Im Home-Office  sind Beschäftigte weniger produktiv, Home-Office können eher Höherqualifizierte machen: Mythen und Wahrheiten zum Home-Office.

 

Im Home-Office sind Beschäftigte weniger produktiv, Home-Office können eher Höherqualifizierte machen und Teams benötigen doch den persönlichen Austausch vor Ort: Um das Home-Office ranken sich viele Mythen und Vorurteile. Was ist dran – ein Überblick.

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    Im Home-Office sind Beschäftigte weniger produktiv!

    Falsch. Ob das Arbeiten in den eigenen vier Wänden produktiver ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt in erster Linie davon ab, ob zu Hause ein störungsfreies Arbeitsumfeld gegeben ist. Beschäftigte mit kleinen Kindern zu Hause beispielsweise sehen ihre Produktivität durchaus negativ beeinflusst, so eine Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) von 2015. 56 Prozent der Beschäftigten, die gelegentlich zu Hause arbeiten, können ihre Tätigkeit nach eigenen Aussagen dort besser ausüben. Das hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergeben.

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    Home-Office – das ist doch nur etwas für Höherqualifizierte!

    Richtig. Zumindest teilweise. Erwerbstätige mit höherem Bruttoverdienst nutzen das Home-Office häufiger als Geringverdienende, und Führungskräfte sind nochmals mehr im Home-Office als ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders häufig können Erwerbstätige in den wirtschaftsnahen Dienstleistungen zu Hause arbeiten. Zum Beispiel im IT-Support, in Unternehmensberatungen oder Werbeagenturen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat errechnet, dass sich zum Höhepunkt der ersten Corona-Welle 2020 ein Drittel der Beschäftigten ins Home-Office zurückgezogen hat. Viele Geringverdienende waren ausgeschlossen, während unter den Höherqualifizierten der Anteil sogar bei 60 Prozent lag. Die Erklärung hierfür: Besserverdienende können ihre Arbeit eher mit dem Computer erledigen – und dieser lässt sich als Notebook flexibel in Ort und Zeit aufklappen. Einfache Arbeiterinnen und Arbeiter wiederum benötigen für ihre Arbeit Werkzeuge. Das lässt sich schlecht ins Home-Office verlagern.

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    Die Bindung zum Unternehmen leidet im Home-Office!

    Falsch. Der Monitor „Mobiles und entgrenztes Arbeiten“ des BMAS (2015) zeigt, dass Beschäftigte mit Home-Office-Option sogar eine engere Bindung zum Unternehmen spüren als Beschäftigte, die diese Möglichkeit nicht haben. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass sich viele Beschäftigte im Home-Office von den Kolleginnen und Kollegen abgespalten fühlen und hier eine größere Gefahr für Fehler sehen. Es fehle für wichtige Absprachen der direkte Kontakt. Zudem könnten über Telefon und Video-Chats schneller Missverständnisse entstehen. 

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    Die Infrastruktur in Deutschland ist nicht bereit für viele Menschen im Home-Office!

    Falsch. Während der Corona-Hochzeit im zweiten Quartal 2020 arbeiteten so viele Beschäftigte wie noch nie im Home-Office. Millionenfach starteten Video-Konferenzen auf Notebooks, während parallel im Kinderzimmer die Video-Spiele- sowie Internet-Streaming-Plattformen angesurft wurden. Und was passierte? Das Internet in Deutschland blieb stabil. Es sei bei Weitem keine Spitzenbelastung in der Breitband-Infrastruktur erreicht worden, informiert der Branchenverband Bitkom. Niemand müsse sich bei der Internet-Nutzung einschränken. Die größten Belastungen fallen übrigens abends an. Denn der Großteil der Datennutzung entfällt auf Video-Streaming. Dieses mache etwa 60 Prozent des gesamten Datenverkehrs aus, so Bitkom. Dagegen seien die Datenvolumina von Videokonferenzen vergleichsweise gering.

    Doch nicht alle Beschäftigten, die aufgrund ihrer Tätigkeit theoretisch könnten, gingen auch tatsächlich ins Home-Office. In der öffentlichen Verwaltung zum Beispiel war der Anteil mit 28 Prozent Home-Office-Quote vergleichsweise gering. Neben dem Aspekt der Unternehmenskultur ist gerade für den öffentlichen Dienst der Datenschutz ein Problem. Obwohl viele Beschäftigte in der Verwaltung Büroarbeit erledigen, die sich grundsätzlich auch mit einem mobilen Rechner machen ließe. Experten des BIBB/BAuA sehen das Potenzial fürs Home-Office in Deutschland bei insgesamt 56 Prozent. Diese Zahl beruht allerdings auf Einschätzung der Beschäftigten selbst. Umrüstungskosten oder rechtliche Aspekte beispielsweise zum Datenschutz sind hier nicht berücksichtigt.

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    Teams brauchen den persönlichen Kontakt vor Ort!

    Richtig. Die Corona-Pandemie hat abermals belegt, was Umfragen und Studien bereits zuvor offenbart haben: E-Mails, Telefon und Video-Konferenzen oder -Chats können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Bereits vor Corona hat in einer Umfrage des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung jedes fünfte Unternehmen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen den Kolleginnen und Kollegen gesehen. Auch 59 Prozent der Befragten in der Studie geben dies als Problem an. Dies liegt nicht nur an unterschiedlichen Arbeitsorten, auch unterschiedliche Arbeitszeiten aufgrund von Kinderbetreuung und persönlichen Erledigungen erschweren die Zusammenarbeit.

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    Home-Office gefährdet die Work-Life-Balance!

    Richtig. Die richtige Work-Life-Balance hängt insbesondere ab von der Selbstorganisation der Beschäftigten, transparenten Regeln zur Erreichbarkeit und einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Im Home-Office können Beschäftigte aber schwerer von der Arbeit abschalten, hat eine Umfrage des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) ergeben. Wenn der Arbeitsplatz neben dem Bett steht, fehlt die räumliche Trennung. Zur räumlichen Vermischung gesellt sich auch die zeitliche: mal kurz eine E-Mail-Schreiben, dann Wäsche waschen, wieder in ein Projekt einarbeiten und dann die Wäsche aufhängen – das wird zahlreichen Beschäftigten auf Dauer zu viel. Mehr als jeder Zweite hat sich in der IAB- Befragung deshalb gewünscht, Arbeit und Privates klar zu trennen.

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    Chefs verlieren den Draht zu ihren Beschäftigten!

    Richtig. Führungskräfte, die großen Wert auf die Präsenz ihrer Beschäftigten im Betrieb legen, haben es schwerer. Für die Führungskräfte ist die Einführung dezentraler Arbeitsformen häufig mit neuen Anforderungen an ihren Führungsstil verbunden (z.B. Kommunikation über virtuelle Kollaborationstools). Durch geringere Möglichkeiten der Arbeitskontrolle müssen Führungskräften ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann stärker vertrauen und auf die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Beschäftigten setzen.

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    Große Unternehmen machen Home-Office eher möglich als kleine!

    Richtig. Größere Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten bieten häufiger die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten (Mergener, 2020). Zum Vergleich: Jedes zweite Unternehmen mit über 500 Beschäftigten ermöglicht Home-Office – in kleineren Betrieben ist es noch nicht mal jeder Dritte. Die Erklärung: In größeren Betrieben ist die Wahrscheinlichkeit mit einem kognitiven Tätigkeitsprofil im Home-Office arbeiten zu können höher als in kleinen und mittleren Unternehmen. Ein möglicher Grund ist, dass in kleineren Unternehmen die Beschäftigten weniger spezialisiert arbeiten und gewisse Aspekte ortsungebunden sind.

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