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Illustration Inklusion

Wie sich die Inklusion in Deutschland entwickelt

Die Zahl der Menschen mit Behinderungen steigt. Zeigt sich diese Entwicklung auch am Arbeitsmarkt? In welchen Branchen Inklusion  am stärksten verbreitet ist.

Die Zahl der Menschen mit Behinderungen steigt, ebenso die Zahl Erwerbstätiger mit schweren Behinderungen. Hier erfahren Sie mehr zu dieser Entwicklung und darüber, in welchen Positionen und Branchen diese Beschäftigtengruppe arbeitet.

Die Zahl der Menschen mit schwerer Behinderung steigt im demografischen Wandel

Im Jahr 2019 lebten rund 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Das waren rund 136.000 oder 1,8 Prozent mehr als Ende 2017. Die Zahl der Menschen mit einer Schwerbehinderung  steigt seit Jahren (Tabelle 1): Gab es im Jahr 1993 erst 6,4 Millionen, waren es 2019 bereits 7,9 Millionen. Hauptursache ist die Alterung der Bevölkerung.

Tabelle 1: Anzahl der schwerbehinderten Menschen von 1993 bis 2019
JahrAnzahl der FrauenAnzahl der MännerInsgesamt
19932.976.5663.501.1326.621.157
20013.181.7793.530.0186.711.797
20093.443.5753.658.1077.101.682
20173.838.0543.928.5197.766.573
20193.919.2113.983.7497.902.960

Quelle: Statistisches Bundesamt 2020, S. 20

Schwere Behinderungen entstehen meist im Lebensverlauf

Von den 10,2 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung war zuletzt der größte Teil, nämlich rund 7,5 Millionen Menschen, schwerbehindert. Die Mehrheit der schwerbehinderten Menschen, nämlich 4,3 Millionen, waren 2019 älter als 65 Jahre, 3,1 Millionen waren im erwerbsfähigen Alter, also zwischen 15 und 65 Jahre alt (Tabelle 2).

Der Anteil der Bevölkerung mit einem Grad der Behinderung von mindestens 20 Prozent steigt mit dem Alter stark an: Beträgt er bei Kindern und Jugendlichen bis unter 15 Jahren nur 1,5 Prozent, liegt er in der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen schon bei 10,5 Prozent und in der Altersgruppe der Hochaltrigen (80 Jahre und älter) bei 38,8 Prozent. Im Durchschnitt haben 12,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine anerkannte Behinderung.

Tabelle 2: Anzahl der Menschen mit einer anerkannten Behinderung in Deutschland, 2019

Altersgruppe 

Anzahl der Menschen mit einer leichteren Behinderung (GdB 20-40) 

Anzahl der Menschen mit einer Schwerbehinderung (GdB 50 bis 100) 

Anzahl der Menschen mit einer anerkannten Behinderung, insgesamt 

Unter 15 Jahre 

19.000 

145.000 

164.000 

15 bis unter 45 Jahre 

307.000 

722.000 

1.029.000 

45 bis unter 55 Jahre 

515.000 

766.000 

1.281.000 

55 bis unter 65 Jahre 

938.000 

1.614.000 

2.551.000 

65 Jahre und älter 

996.000 

4.341.000 

5.338.000 

Insgesamt 

2.776.000 

7.587.000 

10.362.000 

Quelle: Statistisches Bundesamt 2021, S.16
 

Die meisten Schwerbehinderungen, nämlich 89 Prozent, entstehen im Laufe der Zeit durch eine Krankheit (Tabelle 3). Nur 3,3 Prozent sind von Geburt an vorhanden oder durch die Geburt entstanden. Weniger als ein Prozent der Schwerbehinderungen entstehen durch Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten.

Tabelle 3: Anzahl der schwerbehinderten Menschen, nach Ursache ihrer schwersten Behinderung, 2019

Ursache der Schwerbehinderung 

Anzahl 

Prozent 

Allgemeine Krankheit 

7.062.264 

89,4 

Angeborene Behinderung 

257.541 

3,3 

Arbeitsunfall, Berufskrankheit 

55.774 

0,7 

Verkehrsunfall 

30.031 

0,4 

Häusliche Unfälle und nicht näher bezeichnete Unfälle 

26.100 

0,4 

Anerkannte Kriegsdienst-, Wehrdienst-, Zivildienstbeschädigung 

13.192 

0,2 

Sonstige ungenügend bezeichnete Ursachen 

458.058 

5,8 

Insgesamt 

7.902.960 

100 

Quelle: Statistisches Bundesamt 2020, S. 13

Immer mehr Menschen mit schwerer Behinderung sind berufstätig

Die Anzahl an schwerbehinderten Erwerbstätigen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 hat seit 1999 absolut um knapp 500.000 Menschen zugenommen. Aber auch der Anteil an allen schwerbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter hat sich von 31,2 Prozent auf 46,9 Prozent erhöht. Ein positiver Trend unterstützt durch den konjunkturellen Aufschwung, aber auch durch verschiedene Förderprogramme zur besseren beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Tabelle 4: Anzahl der schwerbehinderten Erwerbstätigen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren und Erwerbstätigenquote von 1999 bis 2017*

Jahr 

Anzahl der schwerbehinderten Erwerbstätigen 

Anteil an allen schwerbehinderten Menschen in % (Erwerbstätigenquote) 

1999 

968.000 

32,1 

2005 

1.052.000 

35,5 

2009 

1.208.000 

39,4 

2013 

1.342.000 

42,3 

2017 

1.464.000 

46,9 

Quelle: BA, 2020, Tabelle 2.1

*aktuell letztes Jahr der Erhebung

Die meisten Menschen mit Behinderungen arbeiten als Angestellte

Zuletzt waren knapp 2,9 Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung erwerbstätig. Betrachtet man die Menschen mit Behinderungen nach ihrer Stellung im Beruf (Tabelle 5), fällt auf, dass die meisten Menschen mit Behinderung, nämlich 1,8 Millionen oder 61,6 Prozent, als Angestellte arbeiten. Das sind fast so viele wie bei den Menschen ohne Behinderung, von denen 62,9 Prozent als Angestellte arbeiten. Vergleichbar sind auch die Anteile bei den Beamtinnen und Beamten. Größere Unterschiede gibt es dagegen bei den Arbeiterinnen und Arbeitern sowie bei den Auszubildenden.

Tabelle 5: Erwerbstätige mit und ohne Behinderungen nach Stellung im Beruf, 2019

Stellung im Beruf 

Erwerbstätige  mit anerkannter Behinderung, in 1.000 

Erwerbstätige mit anerkannter Behinderung, in % 

Erwerbstätige ohne anerkannte Behinderung, in % 

Angestellte/Angestellter 

1.771 

 

61,6 

 
 

62,9 

 

Arbeiterin/Arbeiter 

756

26,3 

18,6

Selbstständige(r) mit/ohne Beschäftigte(n) 

191

6,6

9,8

Beamtin/Beamter  

125 

4,3

4,9

Auszubildende/ Auszubildender 

32 

1,1 

3,8

 

 

 

 

Insgesamt 

2.876

100 

100 

Quelle: Statistisches Bundesamt 2021, S.20

Die meisten arbeiten in der Dienstleistung – mit und ohne Behinderung

Die drei Branchen mit den höchsten Anteilen von Menschen mit Behinderungen beschäftigen auch die meisten Menschen ohne Behinderung (Tabelle 6): In der Branche „Öffentliche und private Dienstleistungen (ohne öffentlicher Dienst)“ arbeiten 880.000 Menschen mit Behinderungen – fast ein Drittel. Auch bei den Erwerbstätigen ohne Behinderungen führt diese Branche das Ranking an. 24,6 Prozent von ihnen arbeiten hier. An zweiter Stelle stehen bei beiden Erwerbstätigengruppen das Verarbeitende Gewerbe und der Bergbau, gefolgt von Handel und Gastgewerbe.

Tabelle 6: Anzahl der Erwerbstätigen mit/ohne anerkannte Behinderung, 2019*, nach Branchen

Branchen 

Erwerbstätige mit anerkannter Behinderung 

Erwerbstätige ohne anerkannte Behinderung 

Erwerbstätige insgesamt 

Öffentliche und private Dienstleistungen (ohne öffentliche Verwaltung) 

 
 

880.000 

 

(= 30,6 %) 

 
 
 
 

9.617.000 

 

(= 24,6 %) 

 
 
 
 

10.497.000 

 
 

Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe  

 
 

507.000 

 

(= 17,6 %) 

 
 
 
 

7.571.000 

 

(= 19,1 %) 

 
 
 
 

8.078.000 

 
 

Handel, Reparatur von Kfz, Gastgewerbe 

 
 

408.000 

 

(= 14,2 %) 

 
 
 
 

6.956.000 

 

(= 17,5 %) 

 
 
 
 

7.364.000 

 
 

Grundstücks- und Wohnungswesen, wirtschaftliche Dienstleistungen 

 
 

280.000 

 

(= 9,7 %) 

 
 
 
 

4.546.000 

 

(= 11,4 %) 

 
 
 
 

4.826.000 

 
 

Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung 

 
 

277.000 

 

(= 9,6 %) 

 
 
 
 

2.628.000 

 

(= 6,7 %) 

 
 
 
 

2.905.000   

 
 

Verkehr und Lagerei, Kommunikation  

 
 

233.000 

 

(= 8,1 %) 

 
 
 
 

3.276.000 

 

(= 8,2 %) 

 
 
 
 

3.509.000 

 
 

Baugewerbe 

 
 

135.000 

 

(= 4,7 %) 

 
 
 
 

2.722.000 

 

(= 6,8 %) 

 
 
 
 

2.857.000 

 
 

Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 

 
 

80.000 

 

(= 2,8 %) 

 
 
 
 

1.168.000 

 

(= 3,0 %) 

 
 
 
 

1.248.000 

 
 

Energie- und Wasserversorgung, Abfallentsorgung 

 
 

46.000 

 

(= 1,6 %) 

 
 
 
 

538.000 

 

(= 1,4 %) 

 
 
 
 

584.000 

 
 

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 

 
 

30.000 

 

(= 1,0 %) 

 
 
 
 

480.000 

 

(= 1,2 %) 

 
 
 
 

510.000 

 
 

 

 

 

 

Insgesamt 

 
 

2.876.000 

 
 
 
 

39.502.000 

 
 
 
 

41.895.000 

 
 

Quelle: Statistisches Bundesamt 2021, S.20

*aktuell letztes Jahr der Erhebung

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