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Illustration Zweitbeschäftigung
Pro-Contra Mehrfach-/Hybride Beschäftigung Erwerbsformen

Zweitbeschäftigung: Risiken & Potentiale

Der Trend zur Zweitbeschäftigung ist aus arbeitswissenschaftlicher Sicht bedenklich. Denn zu den Potenzialen gesellen sich auch Risiken.

Ist der Trend zur Zweitbeschäftigung bedenklich? Oder birgt er Chancen und Potentiale? Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit zeigt das Pro & Kontra auf.

Wer mehrere Jobs ausübt, folgt meist ökonomischen Zwängen – sprich: das Einkommen aus einer Tätigkeit allein reicht für den erstrebten Lebensstandard nicht aus. So ist zumindest die weit verbreitete Annahme. Gleichzeitig bietet die Zweitbeschäftigung aber auch Chancen: zum Beispiel die Möglichkeit, neue Kompetenzen hinzuzugewinnen und Aufstiegschancen zu verbessern. Dies ist eines der Kernergebnisse der Studie „Multiple job-holding: Career pathway or dire straits? ” des Arbeitsmarktexperten Konstantinos Pouliakas. Gleichwohl die Studie nicht zwischen Mehrfachbeschäftigung  (also der Ausübung von zwei oder mehr abhängiger Beschäftigungsverhältnisse) und hybrider Beschäftigung  (also ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis in Kombination mit Selbständigkeit) unterscheidet, liefert sie Erkenntnisse hinsichtlich der Risiken und Potentiale von Nebenjobs.

Positive Wechselwirkungen in vielen Bereichen

Die gleichzeitige Ausübung mehrerer Tätigkeiten ist ein wachsender Trend in einigen Volkswirtschaften rund um den Globus. Neue Arbeitsformen, die im Zuge der Digitalisierung entstehen, könnten diese Entwicklung weiter verstärken. Eine Fehlannahme ist es laut der Studie von Pouliakas jedoch, dass diese durchweg Geringqualifizierte seien, die aufgrund finanzieller Not Nebentätigkeiten ausüben müssten oder dass der Anteil von Zweitbeschäftigungen gerade in Krisenzeiten stark zunehme. Vielmehr deuten Studien darauf hin, dass die Anzahl an Zweitbeschäftigungen in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten mit einem Zuwachs an Jobangeboten ansteige oder sich gar unabhängig von Wirtschaftszyklen entwickelt. Außerdem belegten Forschungsergebnisse durchaus auch positive Wechselwirkungen zwischen Zweitbeschäftigung und Jobmobilität, Kompetenzerwerb und Unternehmertum.

Ein naheliegender Vorteil des Nebenjobs ist natürlich zunächst die Steigerung des Einkommens. Denn oftmals bietet der Hauptjob hierfür begrenzte Möglichkeiten, sei es durch seine festgelegten Arbeitszeiten oder mangelnden Aufstiegschancen. So lässt sich durch einen Zweitjob der Lebensstandard sichern oder verbessern. Positiver Begleiteffekt: Im Nebenjob können Zusatzqualifikationen erworben werden, die wiederum weitere Vorteile begünstigen – zum Beispiel mehr berufliche Mobilität oder den Anreiz, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zugleich kann die Ausübung mehrerer Tätigkeiten aber auch mit höheren physischen oder mentalen Belastungen einhergehen. Weiteres Risiko: Die Verbreitung von Beschäftigungsverhältnissen ohne ausreichende soziale Absicherung, die mittel- und langfristig zu ungewünschten Folgen führen können. „Politikmaßnahmen sollten vor allem darauf zielen, schwächere Mehrfachbeschäftigte vor prekären oder informellen Arbeitsbedingungen zu schützen und allgemein Jobmobilität und Unternehmertum zu fördern“, fordert Pouliakas daher.

Die wichtigsten Ergebnisse seiner Studie im Überblick:

Potentiale

  • Höheres Nettoeinkommen und finanzielle Sicherheit: Dies sind die deutlichsten Vorteile einer Zweitbeschäftigung – insbesondere dann, wenn Arbeitszeit oder Lohn in der Haupttätigkeit begrenzt sind.

  • Motivation und Arbeitszufriedenheit: Beides kann durch das zusätzliche Aufgabenspektrum der Nebenbeschäftigung ansteigen.

  • Ausbau beruflicher Fähigkeiten: Die Zusatzbeschäftigung kann hierfür Anregungen bieten.

  • Jobmobilität und Karrierechancen: Auch hierauf kann sich Zweitbeschäftigung günstig auswirken.

  • Existenzgründung: Die Ausübung eines weiteren Jobs kann zu neuen Tätigkeiten führen, die den eigenen Fähigkeiten oder Interessen besser entsprechen – zum Beispiel durch die Gründung eines eigenen Unternehmens

Risiken

  • Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: Dies fällt bei mehreren Jobs schwerer und kann außerdem zu mehr Fehlzeiten führen.

  • Interessenskonflikte: Mehrere Jobs können bei der Arbeit zu Interessenskonflikten bei den Jobinhabern sowie Ressourcenmissbrauch am Arbeitsplatz führen.

  • Sozialversicherungsansprüche: Diese können miteinander in Konflikt geraten, wenn Multijobber bei einzelnen Arbeitgebern nicht voll versichert sind.

  • Unfälle: Mehrfachbeschäftigte sind einem höheren Risiko von Unfällen im Job und außerhalb des Arbeitsplatzes ausgesetzt. Außerdem weisen sie eine höhere physische und mentale Belastung auf

  • Schwarzarbeit und Steuervermeidung: Die Ausübung einer Nebentätigkeit kann mit gesetzeswidrigen Steuerpraktiken einher gehen.

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