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Erklärtext Infografik Berufliche Ausbildung Tätigkeiten & Qualifizierung

Digitalisierte Arbeitswelt: Zukunftsaufgaben der dualen Ausbildung

Ohne digitale Kenntnisse kommt heute niemand aus. Auch Ausbildungen müssen sie stärker vermitteln. Was bedeutet das für Betriebe und Auszubildende?

„Wir brauchen eine zukunftsfähige Ausbildung! Sie muss jungen Menschen die Kompetenzen vermitteln, die sie in einer digitalisierten Arbeitswelt brauchen!“ Diese Forderung ertönt schon seit einigen Jahren von vielen Seiten und wird in der Modernisierung vieler Ausbildungsberufe aufgegriffen. Um ihr Rechnung zu tragen, hat außerdem eine Arbeitsgruppe des Bundesinstituts für Berufsbildung gemeinsam mit den Sozialpartnern, dem Bund und den Ländern die sogenannten Standardberufsbildpositionen modernisiert. „Digitalisierte Arbeitswelt“ ist nun eine von vier Standardberufsbildpositionen (die weiteren drei: „Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht“, „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“, „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“).

Was bedeutet das konkret für die Betriebe?

In Zukunft sollen in jeder dualen Ausbildung Grundkompetenzen zum Thema Digitalisierung vermittelt werden. Und zwar sowohl in der Schule als auch im Betrieb. Ab August 2021 wird dies erstmals rechtsverbindlich: Ab dann muss jede neugeordnete Ausbildung diese integrativ zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse beinhalten. Um sie auch in Ausbildungsberufen, die noch nicht neu geordnet werden, einzuführen, appelliert der Hauptausschuss des Bundesinstituts für berufliche Bildung in einer Empfehlung an Betriebe und berufliche Schulen, sie auch jetzt schon zu vermitteln.

Die Grafik zeigt eine Auflistung neuer Standards einer digitalisierten Arbeitswelt inklusive Beispiele. Die genutzte Quelle ist die „Erläuterung zu den modernisierten Standardberufsbildpositionen“ vom BIBB aus dem Jahr 2020. Genannt wird der Umgang mit Daten nach neuen Vorschriften, die akkurate Risikobewertung von IT-Systemen, die effiziente Kommunikation mit anschließender Dokumentation der Ergebnisse, die Auflösung von Störungen in Kommunikationsprozessen und die Recherche in digitalen Netzen. Weiterführende Informationen sind im Text dargestellt.

Momentan werden viele dieser Grundkompetenzen nur in einem Teil der Betriebe während der Ausbildung vermittelt, wie Daten des IW-Personalpanels 2019 zeigen. Das hängt stark mit dem Digitalisierungsstand der Betriebe selbst zusammen, bei dem es extreme Unterschiede gibt (siehe z. B. Zinke 2019).

Die Grafik zeigt ein gestapeltes Balkendiagramm zu digitalen Fähigkeiten, die in Ausbildungen vermittelt werden. Die erhobenen Daten gehen auf die Publikation „Ausbildungsunternehmen 4.0. Digitalisierung der Betrieblichen [sic!] Ausbildung“ von Risius und Seyda aus dem Jahr 2019 zurück. Die am intensivsten behandelten Kompetenzen sind der Umgang mit berufsspezifischer Software und die angemessene Kommunikation über digitale Kanäle. 70,8- bzw. 61,3 Prozent der befragten Unternehmen behandeln diese mindestens eher intensiv. Die Kompetenz, einfache Programme erstellen zu können, wird dagegen nur von 22 Prozent der befragten Unternehmen behandelt. Weiterführende Informationen sind im Text dargestellt.

Um den geforderten Sprung in den nächsten Jahren umzusetzen, muss sich also einiges verändern. Ob das gelingen kann, hängt von einer sehr wichtigen Grundvoraussetzung ab: den Kompetenzen der Ausbilderinnen und Ausbilder und des Lehrpersonals. Entscheidend ist, ob sie über die Bereitschaft und Fähigkeit verfügen, Ausbildungsprozesse vor dem Hintergrund einer digitalisierten Arbeitswelt zu gestalten. Das ist für viele Betriebe und vor allem für das Ausbildungspersonal selbst ein Kraftakt, denn die Anforderungen sind breit. Ausbilderinnen und Ausbilder benötigen:

  • branchenübergreifende Fachkompetenzen, die das Arbeiten in einer digitalen Welt betreffen (z. B. digitale Geschäftsmodelle, vernetztes Denken, Projektmanagement-Methoden, Kommunikationskanäle, Social Media) und Lernen (z. B. digitale Lehr-Lernmethoden, Lernkultur, Fehlerkultur).
  • branchenspezifische Fachkompetenzen zum Beispiel zu Fragen, wie Tätigkeiten in kaufmännischen Berufen durch spezifische Software unterstützt werden können oder welche Automatisierungsprozesse es in der Logistik gibt.
  • ein breites Set an Sozialkompetenzen, etwa wenn es in der Teamarbeit um Wissensmanagement geht oder um Fragen der zwischenmenschlichen Kommunikation im digitalen Zeitalter.

Das bundesweite Netzwerk Q 4.0 – Netzwerk zur Qualifizierung des Berufsbildungspersonals im digitalen Wandel setzt genau hier an. Es vermittelt durch gezielte Weiterbildungsangebote Fach- und Sozialkompetenzen, damit Inhalte und Prozesse der dualen Berufsausbildung den Anforderungen des digitalen Wandels entsprechend neugestaltet werden können.

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