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Drucker: „So hat sich unser Beruf verändert“

Die digitale Transformation trifft die Druckindustrie hart. Doch der technologische Wandel bringt auch Chancen, wie unser Zwei-Generationen-Porträt zeigt.

-25,6 %. So viel weniger Beschäftigte gab es im vergangenen Jahr in den Berufen der Drucktechnik als noch Ende 2013. Das zeigen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Grund für den Rückgang ist der technologische Wandel und die damit entstandene Konkurrenz durch digitale Produkte.

-25,6 %

Die Druckindustrie ist stark von der Digitalisierung beeinflusst: Der Umsatz von Zeitungen, Broschüren, Büchern oder Katalogen geht zugunsten digitaler Informationen immer weiter zurück. Auch die ökologische Transformation ist ein Thema, denn Nachhaltigkeit ist immer gefragter.

In unserem Doppelporträt geben mit dem Offsetdrucker und Geschäftsführer des Druckereibetriebs Schmidt, Ley + Wiegandt aus Lünen, Theodor Schmidt (64), und dem Industriemeister Print, Robert Schnurawa (29), zwei Generationen einen Einblick, wie die Transformation ihren Arbeitsalltag früher und heute prägt. 

Schmidt, Ley + Wiegandt GmbH + Co. KG - Theodor Schmidt und Robert Schnurawa
© Schmidt, Ley + Wiegandt GmbH + Co. KG - Theodor Schmidt und Robert Schnurawa

Früher: Theodor Schmidt

  • Arbeitsalltag & Wandel

    Der Arbeitsalltag begann vor 45 Jahren mit der Besprechung der täglichen Aufträge. Die Auftragstasche, damals noch handschriftlich ausgefüllt, enthielt alle Fakten zum Auftrag. Kundendaten, Objektbeschreibung, Auflage, Materialanforderung und Liefertermin. In der Tasche war meist ein Druckmuster oder das Manuskript. Die Druckform haben wir mit Bleilettern gesetzt – der Bleisatz, wie Gutenberg ihn erfunden hat. 5.000 Briefbogen brauchten mit Rüstzeiten etwa zweieinhalb Stunden. Später ergänzte der Offsetdruck die Produktion. Druckqualität und Geschwindigkeit verbesserten sich enorm. Mit unserer ersten Mehrfarben-Offsetmaschine konnten wir vier oder fünf Farben in einem Durchgang produzieren. Und der erste Mac-Rechner brachte zusammen mit Desktop-Publishing-Programmen den Durchbruch bei den Druckvorlagen, die wir nun digital gestalten konnten.

  • Kompetenzen

    Bis heute ist es enorm wichtig, die gängigen Softwareprogramme zur Herstellung der Druckformen zu beherrschen. Ständige Weiterbildung durch Hersteller oder den Verband Druck und Medien helfen uns, auf dem neuesten Stand zu sein. Auch das Lernen in der Praxis spielt eine große Rolle. Trotz der Internetportale, die wir Kunden für schnellere und sicherere Bestellprozesse anbieten, bleibt der persönliche Umgang wichtig. Im Kundengespräch können wir das gesamte Spektrum anbieten – von der Agenturleistung bis hin zu Lagerhaltung und Versand.

  • Zukunft

    Druckerinnen und Drucker müssen heute die mechanischen Grundlagen immer noch beherrschen. Die digitale Unterstützung und die Steuerung durch moderne Mess- und Regeltechnik setzen aber noch ganz andere Kenntnisse voraus. Beim Thema Nachhaltigkeit begegnen wir immer stärkeren Vorbehalten, dass Drucksachen gegenüber digitalen Angeboten zu viel Ressourcen verbrauchen. Dabei ist die Herstellung von Druckprodukten nicht klimaschädlicher als das Betreiben von Serverfarmen mit ihrem enormen Energieverbrauch.

Heute: Robert Schnurawa

  • Arbeitsalltag & Wandel

    Auch mein Arbeitsalltag beginnt mit der Abstimmung der Aufträge. Kalkulation und die Erstellung der Auftragstaschen laufen über entsprechende Software-Programme. Ich erstelle oder bearbeite dann die Druckdaten und schicke sie zur Produktion auf die Digitaldruckmaschine. Die Produktion betreue ich komplett selbst. Anders als im Offsetdruck können wir im Digitaldruck mit variablen Daten arbeiten. Das heißt, jeder gedruckte Bogen kann anders aussehen. Die Geschwindigkeiten und die Bogenformate wie im Offsetdruck erreichen wir im Moment jedoch noch nicht. Zur Produktion ist in den vergangenen Jahren immer stärker die Kundenbetreuung gekommen.

  • Kompetenzen

    Generell haben sich die Prozesse immer weiter automatisiert, so dass es weniger Fehlerquellen und eine schnellere Bearbeitung gibt. Ein Beispiel sind die knapp 100 Portale für Visitenkarten, wo die Kunden direkt online bestellen können. Als ich hier vor rund neun Jahren angefangen habe, mussten wir die Vorlagen herunterladen, händisch aufbauen, auf die Maschine schicken und produzieren. Heute senden wir sie über einen programmierten Workflow vollautomatisch und sinnvoll platziert an die Druckmaschine. Auch die automatisierte Auftragsbearbeitung und Kundenkommunikation werden immer wichtiger. Vieles habe ich über Training on the job gelernt oder abgeschaut, indem ich neben Kolleginnen und Kollegen mit Erfahrung in der Kundenbetreuung saß.

  • Zukunft

    Als Digitaldrucker stelle ich jährliche Zuwachsraten fest. Die Auflagen werden immer kleiner, dafür sind aber die Individualität und die Möglichkeit der Personalisierung immer gefragter. Ein Beispiel sind personalisierte Mailings, die eine gut gedruckte Werbung und ein persönliches Anschreiben verbinden. Unsere Kompetenz bei der persönlichen Beratung, unsere Qualität und Flexibilität wird auch in Zukunft wichtig bleiben, um uns von den Anbietern im Internet zu unterscheiden. Zur Qualität gehört auch Nachhaltigkeit: Durch unsere FSC-Zertifizierung stellen wir sicher, dass unser Rohstoff Papier nachhaltig hergestellt wird.

Infos zum Beruf

Der Beruf der/des Drucker/in heißt heute „Medientechnologe/in Druck“. Zum Beruf gehört die Herstellung von Druckerzeugnissen wie Flyer, Plakate, Zeitungen, Magazine, Bücher oder auch Verpackungen. Dafür richtet die/der Medientechnologe/in Druck die Maschinen ein, bedient, überwacht und wartet sie. Vieles davon läuft digital über Steuerbildschirme, aber auch händische Arbeit gehört noch zum Beruf.

Quelle: Bundesverband Druck und Medien

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