Springe zum Hauptinhalt der Seite
Illustration Firmen Nachhaltigkeitsideen

So nutzen Firmen die Nachhaltigkeitsideen ihrer Beschäftigten

Ökologisch orientierte Beschäftigte – was zeichnet sie aus? Und wie lässt sich ihr Engagement ins Unternehmen integrieren und stärken? Hinweise dazu geben unsere Listicals und Praxisbeispiele.

Ökologisch orientierte Beschäftigte – was zeichnet sie aus? Und wie lässt sich ihr Engagement ins Unternehmen integrieren und stärken? Einige Hinweise aus Praxis und Wissenschaft.

Kleine Typologie: Ökologisch orientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Auch ökologisch orientierte Beschäftigte lassen sich nicht alle über einen Kamm scheren. Deutlich wurde das etwa im Rahmen von „enEEbler – Mitarbeiter-Engagement für Erneuerbare Energien in Unternehmen“, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekt. Es soll Unternehmen dabei unterstützen, das Potential ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Entwicklung technischer und sozialer Innovationen im Energie- und Umweltbereich systematischer zu nutzen. Gleichzeitig sollen privat engagierte Beschäftigte befähigt werden, sich auch im Unternehmen für Energie- und Umweltfragen einzusetzen. Im Projekt enEEbler entstand auf Basis empirischer Studien in Unternehmen eine kleine Typologie:

  1.  
     

    Provokateure

    Sie beleuchten durchweg Nachhaltigkeitslücken im betrieblichen Handeln

  2.  
     

    Nischengründer

    Sie formen (kleine) Allianzen von Gleichgesinnten und versuchen möglichst viele Beschäftigte für ihre Vorhaben zu werben.

  3.  
     

    Rollengestalter

    Sie gestalten ihre Rolle aktiv um, damit sie auch offiziell einen nachhaltigen Anteil beinhaltet oder sie gar in die Lage versetzt, in Bereiche wie das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement wechseln können.

Grünes Engagement von Beschäftigten stärken – Instrumente für die Unternehmenspraxis

Um Nachhaltigkeitsideen und -engagement von Beschäftigten in Unternehmen zu integrieren und zu stärken, bieten sich eine ganze Reihe von Instrumenten an. Ziele sind zum einen die Motivation und Vernetzung bereits engagierter, „grüner“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zum anderen die Aktivierung noch inaktiver Beschäftigter. Einige Beispiele aus dem Projekt enEEbler:

  • Im Unternehmen wird eine zentrale Anlaufstelle für Ideen und Verbesserungsvorschläge etabliert, gegebenenfalls verbunden mit dem Aufbau eines zentralen Anreizsystems – von der Veröffentlichung im firmeneigenen Intranet inklusive Voting durch die übrigen Beschäftigten bis hin zu Prämierungen und Preisverleihungen etwa durch die Geschäftsführung.

  • Das sind Beauftragte für Klimaschutzinnovationen, die unter anderem Überzeugungsarbeit bei den übrigen Mitarbeitenden leisten.

  • Sie gestalten Umweltaktionen mit anderen „grünen“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

  • Beschäftigte gründen eigenständig verantwortete Genossenschaften zur Energiegewinnung. Sie entwickeln und finanzieren gemeinsam Erneuerbare-Energien-Projekte (z. B. eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach). Die Genossenschaft ist Eigentümerin und meist auch Betreiberin der Anlage. Für den Absatz der erzeugten Energie sind verschiedene Geschäftsmodelle denkbar, in denen das Unternehmen als Abnehmer fungieren kann, aber nicht muss.

  • Um Beschäftigte für nachhaltige Themen zu motivieren, werden spielerische Veranstaltungen wie Wettbewerbe und andere Events zu Klimaschutzthemen angeboten.

  • Durch Vorträge, Workshops und anderen Maßnahmen von und für Beschäftigte werden Umweltprobleme bewusst gemacht.

  • Ziel ist die Förderung der Fähigkeiten zukünftiger Fachkräfte im Bereich Umweltschutz sowie beim Team- und Projektmanagement.

  • Reale oder virtuelle Plattformen bieten die Möglichkeit, andere „grüne“ Beschäftigte ausfindig zu machen, Kooperationen zu starten und so die Wirksamkeit des Engagements zu steigern.

Blick in die Praxis: Wie bringen ökologisch orientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Unternehmen weiter?

Beispiel SAP: Mitarbeiter-Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Mitarbeiter-Ideen für mehr Nachhaltigkeit „Sustainability Champions“ gibt es bei der SAP SE seit über zehn Jahren. Beim größten europäischen Anbieter von Unternehmenssoftware treiben sie vielfältige Nachhaltigkeitsinitiativen, vom Gebäudemanagement bis hin zur Softwareentwicklung. Dafür können die Champions zehn Prozent ihrer Arbeitszeit nutzen und auf tatkräftige Unterstützung aus dem Management setzen.

Dass beispielsweise betriebliche Klimaaktivitäten in der Belegschaft auf fruchtbaren Boden fallen, unterstreicht eine aktuelle Mitarbeiterbefragung: 94 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter plädieren dafür, dass SAP ökologisch nachhaltig wirtschaften soll. 

Entsprechende Impulse kommen denn auch immer wieder von Mitarbeiterseite. Ein Beispiel lieferte Dorothea Dentz 2020 bei der Organisation eines zweitägigen Online-Kongresses mit über 1.700 Zuhörerinnen und Zuhörern. Auf Initiative der Event-Managerin wurden in die gesamte Veranstaltung Nachhaltigkeits-Themen eingebettet – durch die Keynote-Speaker in deren Vorträgen, in Fachbeiträgen, beim „Fireside Chat“, bei einem Online-Quiz. Dorothea Dentz freut sich riesig über umfassende positive Resonanz: „Mir war die nachhaltige Ausrichtung der Konferenz ein Herzensanliegen.“

Beispiel Bau-Fritz: Grünes Engagement hilft bei Fachkräftegewinnung

„Von unserem ökologischen Engagement profitieren wir auch beim Recruiting noch mehr als vor ein paar Jahren“, berichtet Manuel Seitz, Personalleiter der Bau-Fritz GmbH & Co. KG, von seinen Erfahrungen aus zahlreichen Bewerbungsgesprächen. „Die Einstellung gerade der jungen Generation zum Thema Nachhaltigkeit hat sich enorm gewandelt.“ Das gelte etwa mit Blick auf Produktionsverfahren und Produkte – bei dem 125 Jahre alten Unternehmen aus dem oberschwäbischen Erkheim sind das Ökohäuser aus Holz.

„Zudem kommt es gut an, dass wir unseren Beschäftigten Möglichkeiten zu eigenem ökologischem Engagement bieten“, sagt Seitz. Als Beispiele nennt er Baumpflanzaktionen, günstige Leasingangebote für Diensträder und Photovoltaikanlagen auf den Firmendächern. An diesen können sich die rund 400 Beschäftigten finanziell beteiligen – und profitieren von den Erträgen selbst noch im Rentenalter.

„Sogar aus dem Norden Deutschlands kommen heute mehr Jobinteressenten“, sagt Manuel Seitz. „Obwohl wir in der Baubranche nicht so ein hohes Gehalt bieten können wie viele Industriebetriebe in der Umgegend, entscheiden sich Bewerber gezielt für uns – wegen unserer nachhaltigen Strategie.“

Feedback geben