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Veränderungs- und Transformationsprozesse am Arbeitsplatz

Transformation ist Teil des digitalen Wandels. Dennoch nehmen Transformationsprozesse in Betrieben nicht zu. Wir zeigen, wen Transformation wie betrifft.

Transformation: Nahezu jede und jeder ist irgendwann von ihr betroffen, und meist sind neue Ansätze in Management und Organisation zumindest anfangs wenig beliebt. Veränderungs- bzw. Transformationsprozesse gehören zum Arbeitsalltag Millionen Erwerbstätiger. Der BMAS-Forschungsbericht Veränderungs- und Transformationsprozesse am Arbeitsplatz, der im Rahmen der Begleitforschung zur Arbeitsweltberichterstattung entstanden ist, untersucht anhand repräsentativer Datengrundlagen (mehr zu den Datenquellen am Ende des Beitrags) das Transformationsgeschehen in Deutschland.

Die Kernergebnisse im Überblick: 

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    1. Die Transformation hat sich nicht beschleunigt

    Organisatorische Veränderungen im Betrieb wie die Reorganisation von Abteilungen, das Übertragen unternehmerischer Verantwortung an Teams, die Einführung von, Profitcenterstrukturen oder einer verbesserten Qualitätssicherung sind zwischen 2008 und 2017 nicht erkennbar angestiegen (Befund auf Basis des IAB-Betriebspanels, siehe Kapitel 2 des Forschungsberichts).

    Tipp: Die zeitliche Entwicklung des Anteils an Betrieben mit mindestens einer organisatorischen Änderung, finden Sie in unserem Indikator „Organisatorische Veränderungen im Betrieb“ unter Daten Kompakt.

Organisatorische Veränderungen im Betrieb

Anteil der Betriebe, die in den letzten zwei Jahren mindestens eine organisatorische Änderung vorgenommen haben
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    2. Neue Computerprogramme sind der häufigste Auslöser von Veränderungen

    Zu den häufigsten Ursachen für Veränderungen, von denen sich die Beschäftigten unmittelbar betroffen fühlen, zählen die Einführung neuer Computerprogramme (neuen Programmversionen sind hier explizit nicht gemeint) und wesentliche Umstrukturierungs- oder Umorganisationen. Die Entwicklung ist in der Tendenz im Vergleich zu 2006 eher rückläufig (Befund auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, siehe Kapitel 3 des Forschungsberichts).

Die Grafik stellt auf Basis der Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den Anteil der Beschäftigten dar, die von Veränderungen wie neuen Fertigungs- und Verfahrenstechnologien, neuen Computerprogrammen oder wesentlichen Umstrukturierungen in den vergangenen zwei Jahren betroffen waren. Die Ergebnisse zeigen, dass es zwischen den drei Befragungszeitpunkten 2006, 2012 und 2018 keinen Anstieg der von Veränderungen betroffenen Beschäftigten gab.
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    3. Größere Betriebe organisieren sich häufiger neu

    Größere Betriebe leiten häufiger organisatorische Veränderungen ein (Befund auf Basis des IAB-Betriebspanels, siehe Kapitel 2 des Forschungsberichts), und Beschäftigte in größeren Betrieben sind öfter unmittelbar betroffen (Befund auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, siehe Kapitel 3 des Forschungsberichts).

    Tipp: Die Unterschiede in der Betroffenheit abhängig Beschäftigter größerer und kleinerer Betriebe von Restrukturierungen, Reorganisationen oder der Einführung neuer digitaler Technologien können Sie interaktiv mit dem Indikator „Veränderungen im unmittelbaren Arbeitsumfeld“ unter Daten Kompakt erkunden.

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    4. IT-Beschäftigte sind besonders häufig von Veränderungen betroffen

    In den unternehmensbezogenen sowie in den IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen hat mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Jahr 2018 eine wesentliche, das eigene Arbeitsumfeld unmittelbar betreffende Umstrukturierung oder Umorganisation erlebt (Befund auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, siehe Kapitel 3 des Forschungsberichts).

Die Grafik stellt auf Basis der Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den Anteil der Beschäftigten nach Berufsgruppen dar, die im Jahr 2018 von wesentlichen Umstrukturierungen oder Umorganisationen betroffen waren. Die Beschäftigten in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen sind mit 52 Prozent am häufigsten davon betroffen. Am seltensten sind mit rund 25 Prozent Beschäftigte in Bau- und Ausbauberufen betroffen.
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    5. Führungskräfte erleben selbst häufiger Veränderungen

    Beschäftigte mit Führungsverantwortung haben nicht nur eine wichtige Rolle als Gestalter, sondern sind selbst deutlich häufiger in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld von den Veränderungen betroffen als Beschäftigte ohne Führungsposition (Befund auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, siehe Kapitel 3 des Forschungsberichts). 

Die Grafik stellt auf Basis der Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den Anteil von Beschäftigten mit und ohne Führungsverantwortung dar, die von neuen Fertigungs- und Verfahrenstechnologien, neuen Computerprogrammen, neuen Maschinen oder Anlagen und wesentliche Umstrukturierungen in den vergangenen zwei Jahren betroffen waren. Führungskräfte sind deutlich häufiger von den Veränderungen betroffen.
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    6. Transformation ist meist mit Weiterbildung verbunden

    Die Weiterbildungsintensität (als Anteil der Beschäftigten in einer Belegschaft, die an einer Weiterbildung teilgenommen haben) steigt mit der Reorganisation von Abteilungen oder Funktionsbereichen und der Verlagerung von Verantwortung und Entscheidungen nach unten (Befund auf Basis des IAB-Betriebspanels, siehe Kapitel 2 des Forschungsberichts).

    Tipp: Die Unterschiede im Angebot an betrieblicher Weiterbildung von Betrieben mit und ohne organisatorische Veränderungen veranschaulicht unser Indikator „Betriebliche Weiterbildung“ unter Daten Kompakt.

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    7. Von betrieblichen Veränderungen erwarten Beschäftigte mehr Produktivität, aber auch höhere Anforderungen

    Rund die Hälfte der Beschäftigten, die von Neuerungen am Arbeitsplatz berichten, erwarten für die nächsten zwei Jahre, dass durch diese Neuerungen die Produktivität, aber auch die an sie gestellten Qualifikations- und Leistungsanforderungen steigen. Etwas weniger als die Hälfte erwartet keine Auswirkungen (Befund auf Basis des SOEP, siehe Kapitel 4 des Forschungsberichts).

Die Grafik zeigt auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels für die Jahre 2015 bis 2018 welche Erwartungen die Beschäftigten mit den Neuerungen am Arbeitsplatz für die kommenden zwei Jahre verbinden. Es zeigt sich, dass jeweils rund die Hälfte davon ausgeht, dass die Arbeitsproduktivität durch die Veränderungen steigt, aber auch die Anforderungen an ihre Qualifikationen und Arbeitsleistungen.
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    8. Transformation beeinflusst Arbeitszufriedenheit und Gesundheit nicht

    Die Zufriedenheit mit der Arbeit und mit der eigenen Gesundheit entwickeln sich bei Beschäftigten, die Neuerungen am Arbeitsplatz erlebt haben, und Beschäftigten ohne diese Erfahrung ähnlich (Befund auf Basis des SOEP, siehe Kapitel 4 des Forschungsberichts).

Die dargestellten Befunde beziehen sich auf die folgende Publikation:

Hammermann, A. / Rinke T. / Schmidt J. / Stettes O., 2021, Veränderungs- und Transformationsprozesse am Arbeitsplatz: Kurzanalysen auf Basis von IAB-Betriebspanel, BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung und Sozio-oekonomischem Panel, BMAS-Forschungsbericht 580

Woher stammen die Daten?

  • Das IAB-Betriebspanel ist mit jährlich rund 16.000 teilnehmenden Betrieben die umfangreichste Arbeitgeberbefragung in Deutschland. Die Grundgesamtheit sind Betriebe aller Branchen mit mindestens einer oder einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In die Analyse des Forschungsberichts wurden Betriebe ab 10 Beschäftigten einbezogen. Die Fragen zu organisatorischen Änderungen wurden den Betrieben unter anderem in den Jahren 2010, 2012, 2014, 2015 und 2017 gestellt und beziehen sich auf den Zeitraum der beiden Jahre vor der Befragung.

  • Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung der Jahre 2006, 2012 und 2018 sind mit jeweils rund 20.000 Beobachtungen repräsentative Querschnittsbefragungen von Personen ab 15 Jahren, die eine bezahlte Tätigkeit von mindestens zehn Stunden pro Woche ausüben. Für die Analyse im Forschungsbericht wurden ausschließlich Abhängig Beschäftigte  im Alter zwischen 15 und 65 Jahren betrachtet. Die Fragen zur Transformationserfahrung der Erwerbstätigen beziehen sich auf Veränderungen des unmittelbaren Arbeitsumfelds in den vergangenen zwei Jahren.

  • Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des DIW ist eine seit 1984 jährliche Wiederholungsbefragung von rund 30.000 Personen in Deutschland. Für die Analyse im Rahmen des Forschungsberichts wurden abhängige Beschäftigte befragt. Angaben der Beschäftigten zu Neuerungen am Arbeitsplatz und ihrer persönlichen Einschätzung der möglichen Auswirkungen wurden zwischen 2015 und 2018 gestellt und beziehen sich jeweils auf das Vorjahr.

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