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Data Story: Orts- und zeitflexibles Arbeiten hat sich bereits vielfach bewährt

Der Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat die Arbeitsorganisation zumindest zeitweise drastisch verändert. Viele Betriebe konnten ihre Geschäftstätigkeit in manchen Bereichen nur fortsetzen, weil Beschäftigte ihre Aufgaben von Zuhause erledigten. Viele von ihnen haben erstmals über einen langen Zeitraum hinweg zu Hause gearbeitet, ihre Arbeitszeiten zu Randzeiten hin verlagert, um die Kinderbetreuung sicherzustellen und verstärkt über Videokonferenzen kommuniziert. Während für einige Betriebe und Beschäftigten ein zeitlich und räumlich flexibleres Arbeiten weitestgehend Neuland war, konnten andere bereits auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen.

Flexibilität als Merkmal attraktiver Arbeitgeber

Viele Beschäftigte schätzen die Möglichkeiten ihres Arbeitgebers, unabhängig von ihrem Arbeitsplatz im Betrieb und außerhalb eines engen Zeitkorsetts, Zugriff auf E-Mails und digitale Unterlagen zu haben. Im Jahr 2019 ist für jeden zweiten Beschäftigten ihr Arbeitgeber aufgrund von flexiblen Arbeitszeiten attraktiv. Damit führt die flexible Arbeitsorganisation das Ranking der Merkmale zur Arbeitgeberattraktivität an. Das Gehalt kommt mit 40 Prozent nur auf Platz zwei.

Flexibilität führt Ranking zur Arbeitgeber- attraktivität an

Flexibilität führt Ranking zur Arbeitgeberattraktivität an

Anteil der Beschäftigten, die von dem jeweiligen Merkmal der Arbeitgeberattraktivität profitieren

40%

Attraktives Gehalt

50%

Flexible Arbeitszeiten

33%

Sinnhafte Aufgaben

Befragung von 16.600 Fachkräften ohne Personalverantwortung und rund 2.400 Führungskräfte im 3. Quartal 2019
Quelle: StepStone, 2020

Facetten flexibler Gestaltung von Arbeitszeiten

Zeitliche Handlungsspielräume der Beschäftigten sind tätigkeitsgebunden und unterscheiden sich nach Branchen, betrieblicher Notwendigkeit, Abteilungsabsprachen und nach individuellen Aufgaben. In der Industrie ist der Einfluss auf den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende oder die Möglichkeit ein paar Tage frei zu nehmen besonders hoch. Doch auch im Handwerk, in denen meist einzelne Aufträge Beginn und Ende der Arbeit bestimmen, haben mehr als die Hälfte der Beschäftigte einen hohen Einfluss auf ihre Pausenzeiten und die Urlaubsplanung. Grundlage für die Gestaltung von Arbeitszeiten sind die gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Regelungen. Arbeitsverträge bestimmen üblicherweise nur die Dauer, aber nicht die Lage der Arbeitszeit, also wann genau gearbeitet werden soll. Unter flexiblen Arbeitszeiten wird eine Vielzahl von Arbeitszeitmodellen wie Gleitzeit, Funktionszeiten, Vertrauensarbeitszeiten oder Sabbaticals gefasst, die mit unterschiedlichen Handlungsspielräumen für die Beschäftigten verbunden sind. Neben den tätigkeitsbezogenen Anforderungen spielen für den Grad der Arbeitszeitautonomie der Beschäftigten auch die Erwartungshaltung der Führungskräfte und die Unternehmenskultur eine wichtige Rolle.

Hohe zeitliche Flexibilitätsmöglichkeiten für viele Beschäftigte

Anteil der abhängig Beschäftigten mit hohem Einfluss auf die jeweiligen Aspekte der Arbeitszeitgestaltung nach Wirtschaftsbereichen, 2019, Angaben in Prozent

Öffentlicher Dienst
41%

Öffentlicher Dienst

Industrie
53%

Industrie

Handwerk
21%

Handwerk

Dienstleistung
39%

Dienstleistung

39%

Insgesamt

  • Arbeitsbeginn/-Ende
  • Urlaub/Ein paar Tage frei nehmen
  • Ein paar Stunden frei nehmen
  • Pausen

Hoher Einfluss der Beschäftigten (Antwortkategorie 4 und 5 gemessen auf einer Skala von 1 (sehr wenig Einfluss) bis 5 (sehr hoher Einfluss)), Kategorie „anderer Wirtschaftsbereich“ wurde hier nicht aufgeführt
Datenquelle: BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019 mit rund 8.600 abhängig Beschäftigten
Quelle: BAuA, 2020a, S.98

Der Arbeitsplatz zum Mitnehmen

Räumlich flexibles Arbeiten geht mit zeitlicher Flexibilität häufig einher. Jeder vierte Beschäftigte arbeitet im Jahr 2019 zumindest gelegentlich von einem Ort außerhalb des Betriebs, den sie oder er selbst bestimmen kann. Besonders häufig können Beamte und Höherqualifizierte mit Universitätsabschluss mobil arbeiten. Einfache Tätigkeiten erfordern hingegen in der Regel die Anwesenheit vor Ort im Betrieb. Männer arbeiten häufiger mobil, wobei sich die Geschlechter in ihrem Arbeitsort unterscheiden. Während Frauen häufiger von zu Hause arbeiten, tun Männer dies häufiger von unterwegs.

Maßgeblich für die Möglichkeit mobil arbeiten zu können, ist die Art der Tätigkeit sowie die technische Infrastruktur, die Gewährleistung des Datenschutzes, die persönlichen Voraussetzungen der Beschäftigten und die Führungs- und Unternehmenskultur.

Mobile Arbeit in Deutschland unterschiedlich weit verbreitet

Anteil der Beschäftigten, die für ihren Arbeitgeber ständig oder gelegentlich von Orten aus arbeiten, über die sie selbst frei bestimmen können, also zum Beispiel von zu Hause aus oder wenn sie privat unterwegs sind, 2019

mobil arbeitende Beschäftigte1 Anteil der mobil arbeitenden Beschäftigten2, …
Insgesamt … die von zu Hause aus arbeiten … die mobil von unterwegs aus arbeiten … die von einem anderen festen Ort als zu Hause aus arbeiten
Beamter/-in 47% 96% 39% 5%
Angestellte/-r 26% 88% 44% 27%
Arbeiter/-in 6% 57% 40% 50%
Abitur, Universität 44% 95% 38% 22%
Weiterführende Schule3 10% 69% 56% 30%
Volks-/Hauptschule 13%
Frauen 22% 92% 30% 18%
Männer 27% 84% 54% 30%
Insgesamt 24% 88% 43% 24%

1) 1.530 abhängig Beschäftigte ab 18 Jahren, Prozentwerte bis 100 enthalten neben der Antwortkategorie „nein“ auch geringe Anteile von Personen, die keine Antworten gegeben haben.
2) 455 abhängig Beschäftigte, die mobil arbeiten, Mehrfachnennungen möglich.
3) Bezogen auf den Arbeitsort wurden die Beschäftigtengruppen mit Volks-/Hauptschulabschluss und Abschluss einer weiterbildenden Schule zusammengefasst.
Quelle: Bonin et al., 2020

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Möglichkeiten der Beschäftigten, Arbeit zeitlich und räumlich flexibler zu gestalten, fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und unterstützt insbesondere erwerbstätige Frauen, die nach wie vor den größten Anteil an der Sorgearbeit übernehmen:

28 % der knapp 8,9 Millionen teilzeittätigen Frauen in abhängiger Erwerbstätigkeit geben 2019 als Grund für die Arbeit in Teilzeit  die Kinderbetreuung an. Im Vergleich: Gleiches trifft nur auf 4 Prozent der teilzeittätigen Männer zu (Statistisches Bundesamt, 2020).


Neben der Kinderbetreuung spielt die Betreuung von nahen Angehörigen eine wichtige Rolle. Drei Viertel der 3,4 Millionen Pflegebedürftigen werden 2017 zu Hause von den Angehörigen (mit-)versorgt (Statistisches Bundesamt, 2019).

Beitrag für den Klimaschutz

Auch zum Klimaschutz kann flexibles Arbeiten beitragen, indem es den Pendelverkehr verringert. Präsenztermine können durch virtuelle Meetings ersetzt und Verkehrsstaus durch antizyklische Arbeitszeiten umgangen werden.

Knapp jeder dritte Pendler verbringt laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz  und Arbeitsmedizin (2020b) täglich eine Stunde und mehr auf dem Weg zur und von der Arbeit. Kein Wunder, dass diese Gruppe deutlich häufiger von zu Hause arbeitet. Das Einsparpotential in Deutschland bezogen auf den CO2-Verbrauch scheint hoch, da rund 68 Prozent aller Berufspendler im Jahr 2016 den eigenen Pkw für den Arbeitsweg nutzen (Statistisches Bundesamt, 2017).

Ca. 68 Prozent aller Berufspendler nutzten 2016 den eigenen PKW für den Arbeitsweg

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2017

Flexibilitätsanforderungen

Eine Abkehr von starren Arbeitszeiten hat zweifelsohne Vorzüge. Doch nicht jede und jeder profitiert in gleichem Maße davon, Arbeitsbeginn und -ende sowie Pausen selbst festlegen zu können (BAuA, 2020a). Auch Kundenwünsche nach erweiterten Öffnungs- und Servicezeiten, die Zusammenarbeit in Teams über Zeitzonen hinweg und kurzfristige Anpassungsbedarfe der Schichtpläne haben Einfluss auf die Arbeitszeiten der Beschäftigten - oftmals im Konflikt zu deren persönlichen Präferenzen und Bedürfnissen.

Eine flexiblere Zeitgestaltung erhöht in der Regel den Koordinationsaufwand und kann zu Lasten der Planungssicherheit und routinierter Arbeitsabläufe gehen. Zudem müssen Zeiten der Erreichbarkeit neu strukturiert und abgesprochen werden. Flexible Arbeitsorganisationen sind damit für Beschäftigte wie für Betriebe Chance und Herausforderung zugleich. Für einen geringen Teil der Beschäftigten sind solche Änderungen der Arbeitszeiten und Anforderungen an die Erreichbarkeit im Privatleben schon heute geübte Praxis.

Wechselnde Arbeitszeiten und Erreichbarkeit in der Freizeit

Anteil der abhängig Beschäftigten mit den jeweiligen Flexibilitätsanforderungen nach Wirtschaftsbereichen, 2019

Wirtschaftsbereich Häufige Änderungen
der Arbeitszeiten
Erwartete
Erreichbarkeit
Häufige tatsächliche
Kontaktierung
Öffentlicher Dienst 12% 22% 11%
Industrie 8% 18% 7%
Handwerk 10% 25% 8%
Dienstleistung 15% 25% 11%
Insgesamt 12% 23% 10%

Kategorie „anderer Wirtschaftsbereich“ wurde hier nicht aufgeführt.
Datenquelle: BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019, rund 8.600 abhängig Beschäftigte Quelle: BAuA, 2020a, S. 100 und S. 102

Corona-Pandemie als Sprungbrett?

Ob sich unsere Arbeitswelt nachhaltig durch die Corona-Pandemie verändern wird, hängt maßgeblich von den Erfahrungen der Betriebe und ihrer Beschäftigten während der Pandemie ab. Wie gut haben die Arbeitsabläufe funktioniert und konnte zu Hause produktiv gearbeitet werden? Haben sich neue Kommunikationsformen entwickelt, so dass die Zusammenarbeit zwischen Kolleginnen und Kollegen reibungslos läuft? Gibt es klare Absprachen über Zeiten der Erreichbarkeit? Ist die technische Ausstattung ausreichend und wo muss nach- bzw. aufgerüstet werden? Antworten auf diese Frage dürften darüber entscheiden, wie flexibel die Arbeitsorganisation in Zukunft gestaltet wird.

Quellenangaben

BAuA (2020a), BAuA-Arbeitszeitbefragung: Vergleich 2015-2017-2019. Baua Bericht. 1. Auflage Dortmund/Berlin/Dresden, BAuA-Arbeitszeitbefragung: Vergleich 2015 - 2017 - 2019, letzter Aufruf: 28.06.2021

BAuA (2020b), BAuA-Arbeitszeitbefragung: Pendeln, Telearbeit , Dienstreisen, wechselnde und mobile Arbeitsorte, Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2452.pdf?__blob=publicationFile&v=6, letzter Aufruf: 24.11.2020

Bonin, Holger et al. (2020): Verbreitung und Auswirkungen von mobiler Arbeit und Homeoffice, Kurzexpertise des IAQ, ZEW und IZA im Auftrag des BMAS, fb-549-pdf-verbreitung-auswirkung-mobiles-arbeiten.pdf;jsessionid=DD0737253A44776973046D074DF96357.delivery2-replication (bmas.de), letzter Aufruf: 28.06.2021

Statistisches Bundesamt, 2020: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung. Ergebnisse des Mikrozensus zum Arbeitsmarkt 2019, Fachserie 1, Reihe 4.1

Statistisches Bundesamt, 2019: Pflegebedürftige nach Versorgungsart, Geschlecht und Pflegegrad 2017,https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/Tabellen/pflegebeduerftige-pflegestufe.html#fussnote-1-96978, letzter Aufruf: 20.11.2020

Statistisches Bundesamt, 2017: Erwerbstätige nach Stellung im Beruf, Entfernung, Zeitaufwand und benutztem Verkehrsmittel für den Hinweg zur Arbeitsstätte 2016, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/pendler1.html, letzter Aufruf: 20.11.2020

StepStone, 2020: Arbeitgeberattraktivität 2020, https://www.stepstone.de/e-recruiting/arbeitgeberattraktivitat/, letzter Aufruf: 20.11.2020

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