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Illustration Interview

„Die Förderung hat uns eine Menge motivierter Leute gebracht“

Öffentlich geförderte Beschäftigung soll Langzeitarbeitslosen helfen. Für Marco Schmidt (DRK) bietet die Förderung auch Betrieben interessante Perspektiven.

  • Öffentlich geförderte Beschäftigung soll Langzeitarbeitslosen helfen, über sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wieder zurück in ein geregeltes Arbeitsleben zu finden.
  • Für den Einsatzdienstleiter beim Deutschen Roten Kreuz Oberhausen, Marco Schmidt, ist sie ideal, um Beschäftigte über die Förderdauer von bis zu fünf Jahren für eine spätere Übernahme kennenzulernen.
  • Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen und den Perspektiven der öffentlich geförderten Beschäftigten.
Marco Schmidt
© DRK - Marco Schmidt

In welchen Bereichen arbeiten Sie mit öffentlich geförderter Beschäftigung?

Marco Schmidt: Wir haben im Bereich der Einsatzdienste alle unsere Fahrdienste zusammengefasst: der Menüservice, Fahrdienste für Senioren und bewegungseingeschränkte Menschen, Hausnotrufdienste rund um die Uhr – und für all diese Bereiche kommt für uns Personal im Rahmen der öffentlich geförderten Beschäftigung in Frage. Die Leute werden dann von uns aus- und fortgebildet, damit sie für ihre Einsatzbereiche die passenden Kenntnisse und Fähigkeiten haben. Das läuft vor allem über “training on the job”. Das klappt sehr gut, bisher können wir alle erfolgreich einsetzen. Darüber hinaus stehen ihnen unsere Weiterbildungsmaßnahmen genauso offen wie allen anderen Beschäftigten – Fahrertrainings oder Fahrsicherheitsschulungen zum Beispiel.

Öffentlich geförderte Beschäftigte werden beim DRK gebraucht

Sie haben also gezielt nach Personen gesucht, die mit öffentlicher Förderung eingesetzt werden können?

Schmidt: Genau, das Jobcenter hatte uns damals gefragt, ob wir Interesse an dieser Arbeitsmarktmaßnahme haben. Wir hatten durchaus Bedarf, denn die Fahrdienste haben wir klassischerweise mit Freiwilligen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr, dem Bundesfreiwilligendienst und früher auch aus dem Zivildienst besetzt. Die Bewerbungen sind hier allerdings so selten und auch unzuverlässig geworden, dass wir nicht mehr gut planen konnten. Mit dem Instrument der öffentlich geförderten Beschäftigung haben wir da eine gute Lösung gefunden.

Lief der Einsatz von Anfang an gut?

Schmidt: Am Anfang wurde uns vom Jobcenter ganz klar gesagt, dass die Kandidatinnen und Kandidaten teilweise soziale, psychische oder andere Probleme haben können, die sich im Arbeitsleben auch zeigen. Da waren wir am Anfang etwas unsicher, ob unsere Fahrdienste dafür das Richtige sind. Aber unterm Strich müssen wir einfach sagen: Welche Vorgeschichte sie auch haben, wir haben eine Menge motivierter Leute kennengelernt und sind sehr zufrieden.

Marco Schmidt

Marco Schmidt

Leiter Einsatzdienste DRK Oberhausen

Marco Schmidt ist beim Kreisverband Oberhausen Rheinland des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) neben der Einsatzdienstleitung auch für die Immobilienverwaltung und die Freiwilligendienste verantwortlich. Der studierte Betriebswirt ist seit 1990 beim DRK Oberhausen beschäftigt.

Langzeitarbeitslose kehren in geregelten Arbeitsalltag zurück – gute Chancen auf Übernahme

Wie lange arbeiten die geförderten Personen bei Ihnen, und wie unterstützen Sie sie bei der Rückkehr in ein geregeltes Erwerbsleben?

Schmidt: Die Förderzeiträume laufen über zwei oder über fünf Jahre. Seit 2017 haben wir insgesamt 14 Leute bei uns gehabt, aktuell sind bei uns noch acht eingesetzt. Wir können ihnen einen strukturierten, nach normalen Tariflöhnen bezahlten Arbeitsalltag vermitteln, der mit Rechten und Pflichten einhergeht. Im Gegenzug haben wir bei den Geförderten Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit erlebt, Arbeitsausfälle wegen Krankheit dagegen kaum.

Wie sind die Übernahmeperspektiven im Anschluss an die Förderung?

Schmidt: Den größten Teil versuchen wir bei uns zu halten und weisen schon in den Vorstellungsgesprächen auf die Option zur Übernahme hin. Wir haben die einmalige Chance, dass wir die Leute über Jahre bezüglich Zuverlässigkeit und Arbeitsweise testen können. Mittlerweile haben wir für vier ehemals Geförderte unbefristete Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Über sie hören wir auch von denen, die ausgeschieden sind. Soviel wir wissen, sind alle wieder im Berufsleben untergekommen. Insgesamt würde ich mir deshalb wünschen, dass das Instrument der öffentlich geförderten Beschäftigung noch länger läuft. Wir haben jedenfalls eine Menge Leute kennengelernt, die gar keine andere Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätten. Natürlich ist es für uns als Arbeitgeber erstmal bequem und billig. Aber da, wo wir es finanziell ermöglichen können, geben wir den Menschen auch im Anschluss an die Förderung eine Perspektive bei uns oder vermitteln sie hausintern.