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Illustration Interview

Was macht eigentlich ein Solarteur?

Stephan Gerhards treibt die Energiewende voran. Als Solarteur plant und installiert er Photovoltaikanlagen auf Dächern. Er berichtet, wie sein Alltag aussieht und was Fachkräfte außer Schwindelfreiheit noch mitbringen sollten.

Photovoltaikanlagen. 2,6 Millionen solcher Anlagen gibt es laut Statistischem Bundesamt hierzulande – Tendenz steigend. Um die Energiewende weiter voranzutreiben, braucht es Handwerkerinnen und Handwerker, die Solaranlagen installieren und warten können. Einer von ihnen ist Stephan Gerhards, 30 Jahre alt, Inhaber eines Photovoltaik-Betriebs im Kölner Westen. Er berichtet, wie der Alltag von Solarteurinnen und Solarteuren aussieht und welche Voraussetzungen sie außer Schwindelfreiheit noch erfüllen sollten. 

Arbeitsalltag

Meine Aufgabe als Solarteur ist, Photovoltaik-Anlagen zu planen und zu installieren. Morgens um 6:45 Uhr trifft sich das Team aus zwei bis sechs Leuten am Lager und geht den Montage-Plan für die an dem Tag zu installierende Anlage durch. Dann packen wir die benötigten Komponenten, unter anderem die Unterkonstruktion, Solarmodule, Wechselrichter und einen neuen Zählerschrank. Gegen neun Uhr kommt man bei der Kundin oder dem Kunden an, wir bedienen fast ausschließlich private Eigentümerinnen und Eigentümer mit Anlagen bis zu 30 Kilowatt. Wir skizzieren das geplante Modulfeld auf dem Dach, befestigen die Unterkonstruktion, verlegen die Kabel vom Dach bis in den Keller, installieren die Module, tauschen den Zählerschrank im Keller und nehmen die Anlage in Betrieb.

Wenn wir eine Anlage innerhalb eines Tages montieren, dauern die Arbeitstage schonmal bis zu 10 Stunden. Dafür ist es dann an anderen Tagen entspannter. Wenn wir keine Anlage installieren, sind wir im Betrieb, treffen Vorbereitungen oder führen Kundenberatungen vor Ort durch. Gewisse Schritte sind gefährlich, zum Beispiel Dachpfannen mit dem Winkelschleifer zu bearbeiten. Dabei trägt man Maske, Schutzbrille und Gehörschutz.

Wir arbeiten ausschließlich mit Gerüst, sodass die Unfallgefahr gering ist. Wenn man auf dem Dach abrutscht, kann man nicht tiefer abstürzen als bis zur Höhe der Regenrinne. Wenn das Dach feucht ist, arbeiten wir deutlich langsamer. Ideales Montage-Wetter sieht so aus: 16 bis 17 Grad, leicht bewölkt, kaum Wind, kein Regen. Grundsätzlich gehen wir aber zu allen Jahreszeiten auf die Dächer – außer an Tagen, an denen es schneit, stark regnet, stürmt oder über 30 Grad warm ist. 

Kompetenzen

Solarteur ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Ich selbst habe ein Studium als Ingenieur für Erneuerbare Energien an einer Fachhochschule absolviert und führe nun einen Photovoltaikbetrieb. Wir bezeichnen auch Monteure ohne offizielle Ausbildung als Solarteure, die in einem Team mit Elektronikerinnen und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und Dachdeckern zusammenarbeiten. Die Ausbildung erfolgt bei uns betriebsintern und kann variieren. Wir schaffen beispielsweise eigene Lerninhalte, die wir unseren Mitarbeitern vermitteln. Um Anlagen in Betrieb nehmen und Zähler installieren zu dürfen, braucht es offiziell anerkanntes elektronisches Fachwissen. Hierfür habe ich Weiterbildungen absolviert und etwa den „TREI-Schein" bei der Handwerkskammer erworben – TREI steht für „Technische Regeln Elektroinstallation“. Das ist aber keine Voraussetzung für die Tätigkeit als Solarteur, da diese überwiegend spannungsfrei arbeiten und sich lediglich um die Dachmontage und Verkabelung, sowie Montage von Wechselrichter und Speicher kümmern. Den elektrotechnischen Anschluss übernehme dann ich.

Egal, welchen Weg in den Beruf man nimmt: Körperliche Fitness ist wichtig. Denn der Job ist anstrengend, man arbeitet sowohl bei Hitze als auch bei Kälte. Höhenangst sollte man natürlich nicht haben. Werden Arbeiten mit erhöhter Absturzgefahr bzw. ohne durchgehende Absturzsicherung durchgeführt, ist die sogenannte G41-Untersuchung nötig. Dabei wird zum Beispiel geprüft, ob die Person Herzprobleme hat. Denn es soll niemand plötzlich umfallen auf dem Dach. Auch teamfähig sollte man sein, denn man muss sich aufeinander verlassen können. 

Zukunft

Solarstrom wird als erneuerbare Energie wichtiger für die Versorgung in Deutschland. Viele Dächer werden künftig Solaranlagen nachrüsten, und bei Neubauten werden sie direkt miteingeplant. Entsprechend braucht es auch mehr Menschen, die sich mit Photovoltaik-Anlagen auskennen. Schon jetzt ist es für Betriebe schwierig, ausreichend Personal zu finden. Gerade ausgelernte Elektronikerinnen und Elektroniker sind sehr gut bezahlt und rar, da sie auch in anderen Bereichen stark gefragt sind. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass es künftig eine Art verkürzten Abschluss für Solarteurinnen und Solarteure gibt. Sie könnten zum Beispiel nach einem halben Jahr Lehrzeit ein offizielles Zertifikat bekommen, mit dem sie dann in der Lage sind, alle Arbeiten auf dem Dach zu übernehmen. Das könnte ein Anreiz sein, diesen Beruf zu ergreifen.

Um mehr Menschen für den Beruf zu begeistern, sollten zudem die Vorteile stärker in den Fokus rücken. Weil Solaranlagen immer gefragter sind, haben Handwerkerinnen und Handwerker in diesem Bereich beste Aussichten auf Jobsicherheit. Es ist eine sehr erfüllende Aufgabe, denn man arbeitet aktiv an der Energiewende mit. Cool ist auch, dass man am Ende des Tages oder am Ende der Woche ein fertiges Arbeitsergebnis hat. Ein Haus, das vorher mit fossiler Energie versorgt wurde, hat nun eine moderne Solaranlage auf dem Dach, die 30-70 Prozent oder mehr des eigenen Strombedarfs deckt. Es macht stolz, wenn man durch die Straße läuft und sagen kann: Die Anlage habe ich gemacht.