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Wahr oder Falsch? Corona hat die Erwerbstätigkeit von Frauen stärker beeinflusst als die von Männern

Corona hat Frauen und Männer unterschiedlich getroffen. Welche Einflüsse die Pandemie auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und auf die geschlechtsspezifische Verteilung von Betreuungsaufgaben hat, zeigen wir in unserem Beitrag.

Die Corona-Pandemie hat Frauen und Männer unterschiedlich getroffen. Beschäftigte mussten plötzlich in Kurzarbeit  treten, von zu Hause aus arbeiten oder wurden im schlimmsten Fall entlassen. Hinzu kamen die Schließungen von Schulen und Kitas, die Familien vor großen Herausforderungen stellten. Welche Einflüsse hatte all das auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und im weiteren Sinne auf die geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung gehabt (und hat es vielleicht noch)?

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    Mehr Frauen als Männer sind gekündigt worden. Falsch.

    Bei den Auswirkungen der Corona-Einschränkungen auf die Arbeitslosigkeit waren Männer und Frauen gleichermaßen von einem (kurzfristigen) Anstieg betroffen. Bei Männern stieg die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) von 5,5 Prozent im März 2020 auf 6,8 Prozent im August 2020. Bis August 2021 ist die Quote wieder auf 5,8 Prozent gesunken. Bei Frauen hat sich die Arbeitslosenquote zwischen März und August 2020 von 4,7 auf 6,1 Prozent erhöht. Seitdem ist sie aber ebenfalls rückläufig und betrug im August 2021 5,5 Prozent (Bundesagentur für Arbeit 2021, Tabelle 2.2.2). Dass die Entwicklung bei Männern und Frauen ähnlich verlaufen ist, liegt an der Branchenbetroffenheit. Auf der einen Seite war besonders das stark in die internationale Arbeitsteilung eingebundene und männlich dominierte produzierende Gewerbe betroffen. Auf der anderen Seite haben die Corona-Folgen gravierende Ausfälle insbesondere in Dienstleistungsbereichen, zum Beispiel im Gast- und Beherbergungsgewerbe oder den körpernahen Dienstleistungen, mit sich gebracht, in denen Frauen überrepräsentiert sind. Bis Juni 2021 ist bei beiden Geschlechtern die Erwerbstätigkeit jedoch wieder um jeweils knapp 1 Prozent angestiegen (Bundesagentur für Arbeit 2021).

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    Frauen sind durch das Wegfallen von Minijob stärker betroffen. Richtig.

    Deutlichere Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen sich in der Entwicklung der Minijobs. Gemäß Statistik der Minijob -Zentrale gab es Ende Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr 837.000 oder 12,4 Prozent weniger Minijobberinnen und Minijobber. Dieser Rückgang betraf zu 62 Prozent Frauen. Bis Juni 2021 hat sich die Zahl der Minijobberinnen und Minijobber lediglich um knapp 144.000 Beschäftigte erhöht. Profitiert haben davon zu 72 Prozent Männer (Minijob-Zentrale 2020; Minijob-Zentrale 2021).

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    Die Arbeitszeiten von Frauen waren durch Corona besonders stark betroffen. Teilweise richtig.

    Die Corona-Pandemie führte zu einer deutlichen Verschiebung der Arbeitszeiten von Eltern und hier insbesondere Müttern, die häufiger auf Randzeiten, zum Beispiel am Abend oder am Wochenende verlagert wurden. Im April/Mai 2020 arbeiteten nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 53 Prozent der Frauen und 38 Prozent der Männer mit Kindern teilweise oder komplett zu anderen Zeiten als vor der Pandemie. Zudem gaben Mütter häufiger als Väter an, dass sie sich weniger auf die Arbeit konzentrieren können und damit weniger effizient arbeiten (Frodermann et al. 2020). Analysen zur Dauer der Arbeitszeit zeigen zudem, dass die Arbeitszeiten vollzeitbeschäftigter Frauen sich im “Coronajahr” 2020 stärker reduziert haben als die der Männer (Kümmerling/Schmieja 2021).

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    Das durch Homeschooling und geschlossene Kitas notwendige Mehr an Kinderbetreuung wurde vor allem von Frauen geleistet. Richtig.

    Laut einer Studie des DIW hat sich der Anteil der Familien, in denen die Frau die Kinderbetreuung (fast) vollständig übernommen hat, zwischen Mai und Juli 2020 von 8 auf 16 Prozent verdoppelt. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Familien, in denen Sorgearbeit gleich aufgeteilt ist, in der Krise nicht signifikant verändert (Jessen/Spieß/Wrohlich 2021). Ebenfalls in der DIW-Studie wird ein großer Unterschied in der Wahrnehmung der Sorgearbeit festgestellt: 24 Prozent der Mütter sagen, sie hätten im Lockdown Kinderbetreuung allein gestemmt – diese Ansicht wird aber nur von fünf Prozent der Männer geteilt. Eine Sondersituation wie die gegenwärtige Pandemie führt demnach bei Paaren, die nicht auf grundsätzlich auf eine gleiche Aufteilung der Kinderbetreuung und Hausarbeit achten, zu einer deutlichen Mehrbelastung für Frauen (Jessen/Spieß/Wrohlich 2021). Eine Untersuchung des IAB zeigt jedoch auch, dass der Anteil der Männer, die sich stärker an der Kinderbetreuung beteiligen, in dieser Zeit deutlich gestiegen ist (Globisch/ Osiander 2020).